Es gibt nichts Leichteres als Sehen. Wir öffnen die Augen, und schon zeigt sich uns das Abbild unserer Umgebung. Wir sehen Rot, Blau, Grün, können Distanzen abschätzen und Tiefe wahrnehmen. Augen liefern uns 80 Prozent unserer Sinneseindrücke – solange sie gesund sind und richtig funktionieren.
«Ein Auge ist normalsichtig, wenn weiter weg liegende Objekte ohne Anspannung des Auges scharf auf der Netzhaut abgebildet werden», erklärt Dr. Andreas Pallas. Das heisst: Man kann einen Gegenstand, der drei Meter entfernt ist, ohne Mühe sehen. Die beiden häufigsten Fehlfunktionen sind die Weit- und die Kurzsichtigkeit. Dabei ist das Auge entweder zu kurz oder zu lang. Mit einer Brille, mit Kontaktlinsen oder einer operativen Sehkorrektur können diese Fehlsichtigkeiten behoben werden.
Bei Floaters braucht es nur selten einen Eingriff. Ähnlich wie ein kleiner Mückenschwarm tanzen kleine Punkte vor dem Auge und verschwinden, ehe man sie richtig betrachten kann. Der Grund: eine altersbedingte Glaskörpertrübung. «Die meisten Menschen sind in der zweiten Lebenshälfte davon betroffen. Im Grunde ist es harmlos», erklärt Prof. Heinrich Gerding. Er mahnt trotzdem zur Vorsicht: «Wenn die Floaters plötzlich, sehr dicht oder zusammen mit Lichtblitzen auftreten, sollte man sofort einen Augenarzt konsultieren.»
Ungefährlich, aber störend sind trockene Augen. Frauen sind davon mehr betroffen, weil die Benetzung des Auges auch hormonell gesteuert wird – in den Wechseljahren verstärken sich die Symptome wie brennende, beissende oder verkrustete Augen. Auch Personen, die in klimatisierten Büros und oft am Computer arbeiten, leiden daran. «Bei Bildschirmarbeit blinzeln wir nur halb so viel wie üblich», sagt Dr. Helga Reinshagen. Ihr Tipp: «Schliessen Sie bewusst während der Arbeit jede halbe Stunde zwei Minuten lang die Augen.» Auch Kajal auf der Lidkante sei schlecht. Er versiegelt die feinen Lidranddrüsen. Nützen diese einfachen Massnahmen nichts, helfen benetzende Augentropfen.
Leider sind nicht alle Augenkrankheiten so leicht zu heilen. Schielen, grüner und grauer Star, Hornhauterkrankungen oder eine Netzhautablösung erfordern immer oder in vielen Fällen einen operativen Eingriff. Auf den folgenden Seiten erklären Experten, was das Heimtückische am grünen Star ist, wie man mit der Graue-Star-Operation zwei Fliegen auf einen Streich schlagen kann und was beim Schielen zu beachten ist.
Das Auge